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Debitum

C · 5,9
Am besten fürHöhere Rendite mit Klumpenrisiko
Reguliert (EU)Kein ZweitmarktKlumpenrisiko LFDF
Zur Plattform
14,8 %
Ø Nettorendite p. a.
50 €
Mindestanlage
2018
Gegründet
hoch
Risikoprofil

Bewertung im Detail

Datenlage: mittel · Stand 12.06.2026
Sicherheit & Regulierung30 %
6,0
Transparenz25 %
5,5
Track Record & Stabilität20 %
5,5
Rendite & Konditionen15 %
7,0
Anlegerfreundlichkeit & Liquidität10 %
5,5

Wie wir bewerten

Unsere Einschätzung

Debitum ist ein lettischer Kreditmarktplatz für überwiegend besicherte Geschäftskredite und gehört zu den wenigen P2P-Plattformen mit einer echten Wertpapierfirmen-Lizenz. p2p-investments.de bewertet Debitum mit C (5,9/10) bei mittlerer Datenlage. Die Lizenz ist stark - das Portfolio dahinter ist es nicht: Rund 86 % des Anlagevolumens hängen an einem einzigen Emittenten, und seit März 2026 stehen ungeklärte Vorwürfe gegen genau dieses Portfolio im Raum. Wie wir zu dieser Note kommen, erklärt unsere Bewertungsmethodik.

Was bietet Debitum Anlegern?

Auf Debitum investierst du in verbriefte Kredite (Notes), die von externen Kreditgebern ("Loan Originators") ausgegeben werden - der Schwerpunkt liegt auf Geschäfts- sowie Agrar- und Forstkrediten in Lettland. Die Mindestanlage liegt bei 50 €, Gebühren für Privatanleger fallen keine an, und ein konfigurierbares Auto-Invest steht seit Ende 2023 bereit. Die ausgewiesenen Zinsen reichen von 8 bis 16 % p. a., im Schnitt erwartet Debitum rund 14,8 %.

Einen Zweitmarkt gibt es nicht. Wer investiert, bindet sein Kapital bis zur Fälligkeit der Note. Eine Rückkaufverpflichtung der Kreditgeber greift nach etwa 90 Tagen Verzug - wie tragfähig sie ist, hängt allerdings an der Bonität der dahinterstehenden Unternehmen.

Wie wir Debitum bewerten

Wir bewerten fünf Kriterien mit festen Gewichten. Die sichtbare Aufschlüsselung oben fasst die Punkte zusammen; hier die Begründung mit Belegen.

Sicherheit & Regulierung (6,0/10). Die Betreibergesellschaft SIA DN Operator hält eine im Register der Latvijas Banka verifizierbare Lizenz (Nr. 06.06.08.728/537), seit Dezember 2024 als vollwertige Wertpapierfirma unter MiFID II. Anlegergelder sind über das lettische Anlegerentschädigungssystem bis 20.000 € geschützt - allerdings nur bei Plattform-Insolvenz oder Veruntreuung, nicht bei Kreditausfall. So weit, so solide. Schwächer ist die Schutzschicht darunter: Die Buyback-Verpflichtung stammt überwiegend aus einem verflochtenen Netzwerk von Kreditgebern, und die Werthaltigkeit der Forst-Besicherung ist seit März 2026 umstritten (siehe Datenlage). Einen veröffentlichten Selbstbehalt der Originatoren ("skin in the game") konnten wir nicht belegen.

Transparenz (5,5/10). Auf Plattformebene ist die Lage gut: Der Jahresabschluss 2025 ist von BDO testiert (IFRS, Nettogewinn 507 Tsd. €), die Eigentümerstruktur ist offengelegt (Alleineigentümer Ingus Salmins seit Oktober 2025), und die Gebührenfreiheit für Privatanleger ist dokumentiert. Dort, wo es zählt, fehlt jedoch die Tiefe: Der dominierende Emittent LFDF legt zum Stichtag nur eine ungeprüfte Betriebsbilanz vor, und granulare, unabhängig prüfbare Statistiken je Kreditgeber gibt es nicht.

Track Record & Stabilität (5,5/10). Debitum ist seit 2018 mit Anlegergeld am Markt und zwei Jahre in Folge profitabel - das spricht für die Plattform. Den kriegsbedingten Ausfall des Originators Chain Finance (Ukraine, rund 1,9 Mio. €) hat Debitum über eine Tochtergesellschaft aufgefangen, die Rückzahlung zieht sich aber über Jahre. Schwer wiegt das Klumpenrisiko: Rund 86 % des Portfolios (Stand April 2026) entfallen auf den Forstland-Emittenten LFDF.

Rendite & Konditionen (7,0/10). 8-16 % Zins ohne Anlegergebühren bei 50 € Mindestanlage ist attraktiv, und die gemeldete Ausfallquote liegt unter 5 %. Punktabzug gibt es, weil eine realisierte Nettorendite-Historie fehlt und weil die im Marktvergleich hohen Zinsen nach unserer Methodik kein Pluspunkt sind, sondern den Preis für das Konzentrationsrisiko abbilden.

Anlegerfreundlichkeit & Liquidität (5,5/10). Niedrige Einstiegshürde, keine Gebühren und ein brauchbares Auto-Invest stehen einem klaren Minus gegenüber: keinerlei Liquidität (kein Zweitmarkt, kein vorzeitiger Ausstieg) und kein deutschsprachiges Interface.

Datenlage und offene Punkte

Unsere Note beruht auf 18 von 25 Prüffragen, die sich aus belastbaren Quellen beantworten ließen - Datenlage: mittel. Drei Lücken benennen wir offen: Debitum veröffentlicht keinen verifizierbaren Selbstbehalt seiner Kreditgeber, keine geprüfte Bilanz des größten Emittenten LFDF und keine unabhängig prüfbare Historie der realisierten Rendite.

Hinzu kommt ein ungelöster Punkt, der die Note maßgeblich drückt: Im März 2026 veröffentlichte der Finanzblogger Karsten Aichholz (karsten.me) - gestützt auf 652 Grundbucheinträge und 52 Jahresabschlüsse - Vorwürfe gegen das LFDF-Forstportfolio: überhöhte Aufschläge beim Landeinkauf über nahestehende Firmen und eine unerklärte Bestandslücke von 24,6 Mio. € zwischen Bilanz und Grundbuch. Debitum hat reagiert, die zentralen Punkte nach unserer Lesart aber nicht ausgeräumt. Eine Aufsichtsmaßnahme der Latvijas Banka ist bislang nicht bekannt. Wir bewerten den Vorwurf nicht als erwiesen - aber als reales, ungeklärtes Risiko, das in die Note einfließt.

Für wen sich Debitum eignet - und für wen nicht

Debitum ist nichts für Einsteiger und nichts für sicherheitsorientierte Anleger. Die Plattform kann als kleine, bewusst gewählte Beimischung für erfahrene Anleger interessant sein, die das Klumpenrisiko im Forstland-Portfolio verstehen und akzeptieren - und die wissen, dass ihr Kapital bis zur Fälligkeit gebunden ist. Wer hier investiert, sollte den Betrag klein halten und über mehrere Plattformen streuen. Solange die Vorwürfe rund um LFDF nicht geklärt sind, ist Zurückhaltung die nüchterne Konsequenz aus unserer Bewertung.

Stärken

  • Echte Wertpapierfirmen-Lizenz der Latvijas Banka (MiFID II) mit Anlegerentschädigung bis 20.000 € bei Plattform-Insolvenz
  • Geprüfter Jahresabschluss 2025 (BDO), zweites profitables Jahr in Folge; keine Gebühren für Privatanleger
  • Zinsen von 8–16 % p. a. bei niedriger Mindestanlage (50 €) und konfigurierbarem Auto-Invest

Schwächen

  • Rund 86 % des Portfolios hängen an einem einzigen Emittenten (LFDF, Forstland) — extremes Klumpenrisiko
  • Seit März 2026 ungeklärte Vorwürfe zu Insider-Aufschlägen und einer Bestandslücke im LFDF-Portfolio
  • Kein Zweitmarkt und keine vorzeitige Ausstiegsoption — das Kapital ist bis zur Fälligkeit gebunden

Risikoprofil: hoch

Geeignet als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio. Investiere nur einen Teil deines Kapitals und streue zusätzlich über mehrere Plattformen.

Updates

  • Erstbewertung nach Methodik v1: Note C (5,9/10). Die im März 2026 veröffentlichten Vorwürfe zum LFDF-Forstportfolio (Insider-Aufschläge, Bestandslücke) sind eingeflossen und zum Bewertungszeitpunkt ungeklärt.

Häufige Fragen

Ist Debitum seriös und reguliert?

Debitum wird von der Betreibergesellschaft SIA DN Operator betrieben, die seit September 2021 eine Lizenz der lettischen Zentralbank (Latvijas Banka) hält und seit Dezember 2024 als vollwertige Wertpapierfirma unter MiFID II reguliert ist. Anlegergelder sind über das lettische Anlegerentschädigungssystem bis 20.000 € abgesichert — allerdings nur gegen Plattform-Insolvenz oder Veruntreuung, nicht gegen Kreditausfälle. Die Lizenz ist also echt; das größere Risiko liegt im Portfolio (siehe unten).

Wie hoch ist die Rendite bei Debitum?

Debitum weist Zinsen von 8–16 % p. a. je nach Kreditgeber aus, im Schnitt eine erwartete Rendite von rund 14,8 % p. a. — deutlich über regulierten Plattformen wie Mintos (Ø ~11 %). Eine unabhängig prüfbare Historie der tatsächlich realisierten Nettorendite veröffentlicht Debitum nicht. Nach unserer Methodik ist ein solcher Renditeaufschlag vor allem ein Risikosignal: Er spiegelt das Konzentrationsrisiko im Forstland-Portfolio.

Welche Risiken hat Debitum?

Das gravierendste Risiko ist die Konzentration: Rund 86 % des Anlagevolumens entfallen (Stand April 2026) auf einen einzigen Emittenten, den Latvian Forest Development Fund (LFDF). Zusätzlich stehen seit März 2026 öffentliche Vorwürfe im Raum — überhöhte Insider-Aufschläge beim Forstland-Einkauf und eine unerklärte Bestandslücke von 24,6 Mio. €. Eine Aufsichtsmaßnahme gibt es bislang nicht; geklärt sind die Vorwürfe aber auch nicht. Dazu kommt fehlende Liquidität: keinen Zweitmarkt, keinen vorzeitigen Ausstieg.

Gibt es bei Debitum einen Zweitmarkt?

Nein. Debitum bietet weder einen Zweitmarkt noch eine vorzeitige Ausstiegsoption. Investiertes Kapital ist bis zur Fälligkeit der jeweiligen Note gebunden. Eine Buyback-Verpflichtung der Kreditgeber greift erst nach rund 90 Tagen Verzug — und hängt überwiegend an einer einzigen, verflochtenen Unternehmensgruppe.

Wie werden Erträge bei Debitum in Deutschland versteuert?

Lettland behält auf Zinserträge eine Quellensteuer von 5 % ein, sofern eine Ansässigkeitsbescheinigung hinterlegt ist (sonst mehr). In Deutschland unterliegen die Erträge der Abgeltungsteuer (25 % plus Soli); die lettische Quellensteuer lässt sich in der Regel anrechnen. Einen speziell auf die deutsche Anlage KAP zugeschnittenen Steuerreport stellt Debitum nach unserer Prüfung nicht bereit — die Dokumentation liegt beim Anleger.